Wirtschaft

9 Juli 2012

Allyson Morgan

Eurokrise: So stehen die Deutschen zu Eurobonds

Zusammenfassung

  • Akademiker & Besserverdiener am häufigsten pro Haftungsunion
  • Befürworter fordern begleitendes Maßnahmenpaket

Meine Schulden, deine Schulden, unsere Schulden?

Griechenland, Spanien, Portugal, Irland, Italien, Zypern und nun auch Slowenien – die Eurokrise greift in Europa um sich. Ein Ansatz, um den überschuldeten Staaten unter die Arme zu greifen, sind Eurobonds. Die Idee dahinter: Durch die gemeinsame Haftung aller Staaten der Eurozone für die Schulden aller sinkt die Zinshöhe für die einzelnen. Die in Schieflage geratenen Länder könnten sich wieder zu erträglichen Zinssätzen mit frischem Geld versorgen. Zwangsläufig würde allerdings auch Deutschland für die anderen Nationen mithaften. mingle-Trend fragte die Deutschen: Was halten Sie von einer Einführung von Eurobonds, bei denen alle EU-Staaten füreinander haften?

Die Mehrheit der Deutschen lehnt Eurobonds ab (55%). Besonders Männer (58%) und Menschen mit mittlerer Bildung (57%) halten nichts von einer „Schuldenunion“.

Aber es gibt auch Befürworter der Eurobonds (23%). Nur wenige jedoch sehen im derzeitigen Finanzsystem der Eurostaaten die passende Grundlage dafür (6%). Die meisten der Fürsprecher (17%) fordern stattdessen Strukturreformen und weitere Vereinbarungen zur Stabilisierung einer solchen gemeinsamen Haftung. Besonders Akademiker und Besserverdiener (je 21%) befürworten die Bonds ausschließlich unter neuen Vorrausetzungen. Dabei haben sie wohl vor allem eines im Kopf: Sind die Zinsen für die in Finanzprobleme geratenen Staaten zu hoch, wächst deren Staatsverschuldung immer weiter an. So wird ein Staatsbankrott trotz aller Sparmaßnahmen immer wahrscheinlicher.

Klar ist, dass Eurobonds für Deutschland höhere Zinsen und ein Ende der Finanzierung zum Fast-Nulltarif bedeutet. Ist das der Preis für die Eurorettung? Derzeit sind viele Optionen im Gespräch, vom Austritt Griechenlands über Eurobonds bis hin zur Rückkehr zur D-Mark. Nur eines scheint sicher: Der nächste Krisengipfel kommt gewiss.



Datenbasis der Befragung

Grundgesamtheit: Deutsche Bevölkerung ab 14 Jahre
Stichprobe: 1.056 repräsentativ ausgewählte Personen
Erhebungszeitraum: 05.07.2012 bis 09.07.2012
Erhebungsverfahren: Online-Umfrage, Quotenstichprobe


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1 Kommentar

  1. Steffen sagt:

    Den riesigen Schulden stehen riesige Guthaben gegenüber, hauptsächlich in Besitz von wenigen Reichen.
    Durch die Zinsen werden die Guthaben immer größer und die Schulden auch. Das Geld, also das virtuelle, nicht die echten Scheine und Münzen, wird immer mehr.
    Eine Entschuldung ist nicht möglich, solange es Zins und Zinseszins gibt. Mit einer Ausnahme: Schuldenschnitt, also erlassen der Schulden, dann können wieder neue aufgenommen werden. Und alles geht von vorn los. Nach einem Krieg ists genauso. Daher ist das Zinsgeldsystem auch ein Grund für Kriege.
    Beste Lösung: Zins und vor allem Zinseszins abschaffen, Umlaufgesichertes Geld einführen.
    Siehe Wörgl oder Silvio Gesell.


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